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Positionsgrößen berechnen: Die Formel, die dein Konto schützt

Lesezeit ca. 3 Min.

Die Positionsgröße ist die wichtigste Zahl in jedem Trade - wichtiger als Entry, wichtiger als Take-Profit. Denn sie entscheidet, was ein Stop-Loss-Treffer dich tatsächlich kostet. Trotzdem wählen viele Trader ihre Size nach Gefühl: „0,5 Lot fühlt sich heute gut an." Das ist kein Trading, das ist Würfeln mit Hebel.

Die Grundformel

Die richtige Positionsgröße ergibt sich aus drei Werten, die du vor jedem Trade kennst:

Positionsgröße = Risikobetrag / Stop-Abstand (in Geld pro Einheit)

Konkret in drei Schritten:

  1. Risikobetrag festlegen: Kontogröße mal Risikoprozentsatz. Bei 10.000 Euro und 1 % Risiko sind das 100 Euro. Dieser Wert steht fest, bevor du auch nur einen Chart öffnest (siehe Risk-Management-Grundlagen).
  2. Stop-Abstand bestimmen: Entry minus Stop-Loss, ausgedrückt in Pips, Punkten oder Euro pro Aktie. Der Stop gehört an die Stelle, an der deine Idee widerlegt ist - der Abstand ergibt sich aus dem Chart, nicht aus der Wunsch-Size.
  3. Teilen: Risikobetrag geteilt durch das, was der Stop-Abstand pro Einheit kostet.

Der entscheidende Punkt: Die Size ist das Ergebnis der Rechnung, niemals der Ausgangspunkt. Ein weiter Stop bedeutet automatisch eine kleinere Position, ein enger Stop erlaubt eine größere - das Risiko in Euro bleibt identisch.

Beispiel Forex

Konto: 10.000 Euro, Risiko 1 % = 100 Euro. Du willst EURUSD long bei 1,0720 mit Stop bei 1,0690 - das sind 30 Pips.

Bei EURUSD ist ein Pip mit einem Standard-Lot (100.000 Einheiten) etwa 10 USD wert, mit einem Mini-Lot (0,1 Lot) etwa 1 USD. Rechnung: 100 Euro Risiko / 30 Pips ≈ 3,33 Euro pro Pip. Das entspricht ungefähr 0,3 Lot (je nach EUR/USD-Umrechnung leicht abweichend). Nicht 0,5, nicht 1,0 - sondern das, was die Formel sagt.

Beispiel Index-CFD

Gleiches Konto, gleiches Risiko. NAS100 short bei 19.840, Stop bei 19.910 - 70 Punkte Abstand. Kostet ein Punkt pro Kontrakt 1 Euro, ergibt sich: 100 / 70 ≈ 1,4 Kontrakte. Wenn dein Broker nur ganze Kontrakte erlaubt, rundest du ab - nie auf. Abrunden kostet dich etwas Gewinnpotenzial, Aufrunden bricht dein Risikolimit.

Beispiel Aktien

Du kaufst eine Aktie bei 50 Euro mit Stop bei 47 Euro - 3 Euro Risiko pro Aktie. 100 Euro Risikobudget / 3 Euro = 33 Aktien. Position: rund 1.650 Euro. Auffällig: Die Positionsgröße (1.650 Euro) ist viel größer als dein Risiko (100 Euro) - das ist normal und genau der Unterschied zwischen „investiertem Kapital" und „riskiertem Kapital".

Die drei häufigsten Fehler

1. Feste Lot-Größe für alles. Wer immer 0,5 Lot handelt, riskiert bei einem 10-Pip-Stop ein Fünftel dessen, was er bei einem 50-Pip-Stop riskiert. Das Risiko schwankt wild, die Statistik wird unlesbar - und das R-Multiple verliert seine Aussagekraft.

2. Stop an die Size anpassen. „Mit 1 Lot darf der Stop nur 10 Pips sein, sonst wird's zu teuer" - das ist die Rechnung rückwärts. Erst der Chart bestimmt den Stop, dann bestimmt der Stop die Size. Ein Stop, der aus Kostengründen zu eng sitzt, wird vom normalen Marktrauschen abgeholt.

3. Nach Verlusten die Size erhöhen. Die Martingale-Falle: verdoppeln, um Verluste zurückzuholen. Mathematisch führt das langfristig fast sicher zum Totalverlust, psychologisch ist es der Expressweg in Revenge-Trading. Wenn überhaupt, reduziere die Size nach Verlustserien - dein Urteilsvermögen ist dann nachweislich schlechter.

Praktisch umsetzen

Damit die Rechnung im Alltag nicht untergeht, gehört sie in deinen Pre-Trade-Prozess: Risikobetrag steht fest, Stop kommt aus dem Chart, Size aus der Formel - erst dann der Entry. Das dauert dreißig Sekunden und ist der Unterschied zwischen einem kontrollierten Geschäft und einer Wette.

Und im Nachhinein zeigt dir dein Journal, ob du dich daran gehalten hast: Wenn deine Verlust-Trades alle ungefähr -1R groß sind, arbeitest du sauber. Tauchen -3R-Ausreißer auf, weißt du genau, wo dein Geld wirklich verschwindet.

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